Der 100km -Lauf in Leipzig (20.08.2016)

Seit Februar, als die Anmeldung erfolgte, zu der mich Ultramentor Thomas Eller brachte und wir eigentlich zusammenfahren wollten , war ich irgendwie auf diesen Tag fixiert und je näher er rückte, um so entschlossener war ich, den Lauf in jedem Fall zu packen. Zwar durchkreuzt dieser auf ungünstiger Weise meinen 3 h Trainingsplan für den Kölnmarathon, aber da muß ich durch. Wohlmöglich falle ich danach erstmal wieder in ein Loch, wie nach Delmenhorst, aber das stellt sich noch heraus!  Der Druck, den ich mir selbst auferlege wird durch meine Vorgabe  , 10 h zu laufen hervorgerufen. Bei 13 h, die ich Zeit habe, hätte ich gesagt:” ok,machbar”,  aber so… Im Wettkampf  ist das eh alles anders und man geht  bis an seine Grenzen!

Meine Befürchtung, die ich habe, dass ich gesundheitliche Schäden davontrage,so wie es kurzzeitig nach den 24 h von Delmenhorst der  Fall war. Im Training merke ich , dass ich nur auf der Bahn noch schnell laufen kann und Bedenken habe, eine 10km Strecke auf Zeit zu laufen,  und schrecke  sogar vor einem HM noch zurück.

Der Tag X rückte näher und ich fuhr am FR vor dem Lauf,der am Samstag war, nach Leipzig, hatte reichlich mit Ferienverkehr zu kämpfen. Die Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungsort sind sehr gut.

Einziger Witz an dem Vorabend: Die “Nudelparty”! Nix mit Vollschlagen, eine Portion sollte ausreichen… Da hier dieses Jahr die Deutschen Meisterschaften über 100km ausgetragen wurden, war die Orga ganz anders strukturiert, als bei “handelsüblichen” Läufen.

Norma gehe ich unbekannte strecken vorher ganz gerne mal ab, aber dieses Mal lasse ich mich überraschen, was auf mich zukommt. Die Witterung war mehr als schwül und man war beim Essen klatschnass geschwitzt, obwohl man nur den Arm bewegte.. Bitte nicht morgen auch so  eine Witterung, dachte ich nur. Die Vorhersage sagte erneut Temperaturen um 28 Grad für den Lauf voraus. Entsprechend schlecht wurde auch die Nach geschlafen, die ich im Auto verbrachte,das ich kurzerhand zum Hotelzimmer umfunktionierte…

Um 3.30 stand ich dann auf und brachte meinen privaten Verpflegungstisch schonmal an die Strecke und baute alles auf, was nötig war, auch wenn es an diesem Samstag Morgen aus Eimern regnete. “So ein Scheiß”, dachte ich nur und genau DAS war es, was mir noch zusetzen sollte..

Das Gemeinschaftsfrühstück im Sportkasino des  kleinen Sportplatzes war sehr reichhaltig und so gut besucht, dass man schnell mit anderen ,erfahren Ultrakämpfern ins Gespräch kam. Es war irgendwie interessant zu sehen, wie gut gelaunt einige um diese Uhrzeit morgens früh um halb 5 waren.  Ich kam nicht mehr zum Ruhe wie sonst üblich.

Zum Start regnete es um 6.00 immer noch, hörte aber bald auf. Die Strecke führt zu ca. 70% durch Wald und Schotter,während der Rest geteerte Wege sind,entlang von Kleingartenanlagen oder über Brücken und um einen See. Als Herdentier, das der Mensch ist ,folgte ich nach dem Start einfach der Masse. Es gab zwei Arten von Läufern heute: Einmal die 50k -Läufer und die 100er, zu denen ich gehörte! Da ich mich mühsam auf die Suche nach Gleichgesinnten machte, die den 100 er in Zehn Stunden schaffen wollten, brauchte ich etwas Anlauf,fand aber  jemanden, der it mir die ersten 2 Runden lief, dann aber ein Tempo ging, weil er sich entschieden hatte auf 9 Std. zu laufen. So war ein beachtliches Polster rausgelaufen und ich mußte jemand neues finden, was auch gelang. Da man in jeder Runde ca. 56min. für die 10km benötigte, glaubte ich die Einteilung sei so top und in jeder Runde ein Plus rauszuholen, bringt mich näher ans Ziel.

Auffällig waren die vielen Kampfrichter und DLV -Abgeandten, die zum Teil die Strecke auch sehr oft abradelten , um nach dem Rechten zu sehen.

Die Streckenverpflegung verdient ein mehr als großes Lob: Von Rosinen, über Haferschleim, bis zu Kartoffeln und reichhaltigem Obst bekam man in einer Runde fast zuviel des Guten( bei km 1,3 /3,3/5/6,7/8,7),aber es sollte der Zeitpunkt kommen, wo es bitter nötig war, Pausen einzubauen: Die Sonne ging langsam auf, es wurde Wärmer und der kondensierende Regen aus den Morgenstunden ließ schnell ein tropisches Regenwaldklima aufkommen. Ich habe den Marathon in 4 h geschafft und es lief irgendwie und dann kam die Hälfte und erste Zweifel stellten sich ein:Seit km 25 machte die Leiste wieder zu schaffen und das Klima trug dazu bei,dass ich mich unwohl fühlte. Gegen Mittag knallte die Sonne bei fast 30 Grad vom Himmel  und an den Stellen, wo man der offenen Sonne ausgesetzt war, hatte ich mit einem noch nie dagelegenen Phänomen zu kämpfen: Ich bekam keine (oder nur wenig!) Luft mehr und ich entschloss mich, Tempo raus  zu nehmen, aber dann blockierten die Beine, was so bei km 60 der Fall war. für die 6. Runde brauchte ich 1:06 h und auf Anraten erfahrener Läufer sollte ich es mir zu eigen machen, mal zu Laufen und mal zu Gehen, immer im Wechsel. Muß es so heiß sein, fragte ich mich. Es sollte doch für mich DER Tag werden und es begann ein Reinfall zu werden . Ich hatte so einen Vorsprung auf die 10 h rausgelaufen, der nun zusehends dahinschmolz. SCHEISSE !!! Ich versuchte mich an der nächsten Runde und mir war irgendwie klar, dass ich hier nichts mehr reißen wurde und nahm meine angeblichen Schwankungen gar nicht mehr war.Ich wollte mein Ziel , die 100 zu packen erreichen. Da kam die Quittung für die Labere im Vorfeld. 100km sind eben eine andere Liga .Marathon kann jeder, aber diese Klasse hier ist echt eine andere,das mußte ich anerkennen. Daher Respekt an diejenigen, die ihr hohes Tempo bis zum Ziel durchhalten konnten und die Strecke in teilweise unter 7 h absolvierten.  Immerwieder mußte ich mir an die Leiste packen, die ja früh im Rennen begann, weh zu tun,kühlte mich bei der Hitze mit viel Wasser ab,ließ keine Getränkestation liegen. Mit Ende der 7. Runde schloß ich mich kurz mit der Rennleitung kurz, die mir nahelegte, in der restlichen Zeit die 30km nicht mehr zu schaffen und aufgrund der gesundheitlichen Beschwerden besser auszusteigen, als es noch schlimmer werden zu lassen. Problem dergestalt, dass mir Luft fehlte, habe ich noch nie gehabt und so stieg ich schweren Herzens bei km 70 aus dem Rennen und hatte mit Tränen der Enttäuschung zu kämpfen, sollte das doch der Tag werden, der mein sportliches Leben gänzlich verändert. Nungut,vielleicht in der Hinsicht, das ich bewußter auf körperliche Beschwerden achte-Irgendwo hat alles seinen Sinn, aber der Sinn gerade heute, das war nicht gut. Das Tempo war super zu packen, ich hatte den Marathon in 4 h gepackt und bin  bei 60 km mit einer Zeit von ca. 6 h durchgekommen. Wo sind die Zeiten hin, als ich noch schneller lief??? Enttäuscht packte ich meine Klamotten ein  und,duschte und fuhr heimwärts. Das Ding nagt an mir,aber gewaltig. Klar, 70km erstmal schaffen, aber was bringt es mir einen 100er mit einer scheiß Zeit zu absolvieren, wenn ich so nah an einem viel besseren Ziel dran gewesen bin.  Das Wetter versaute Gott sei Dank nicht nur mir das Vorhaben, manche waren schon früher ausgestiegen . Ob ich stolz bin? Nein , worauf, ich habe mein Ziel nicht erreicht und mußte zum ersten Mal in meiner Laufbahn ein Rennen abbrechen. Das ist mir peinlich, auch wenn nur noch 30 km fehlten, aber es macht mir schon zu schaffen, keine Frage! Selbst jetzt mit zeitlichem Abstand, wo ich das hier schreibe und auch die ein oder andere Kleinigkeit vergaß, merke ich wie ich Unbehagen in mir trage und es mir schwerfällt mit Euch Lesern drüber “zu reden”…  Kopfsache gut und schön, der Wille war ja da, aber der Körper hat gestreikt und konnte sich nicht mehr bewegen,zumindest nicht schnell… Selbst andere Läufer sagten zu mir auf die Frage, ob das noch gesund ist, was wir hier machen:” Gesund ist das bestimmt nicht, aber man macht’s halt immer wieder” Was soll ich dazu sagen?

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Author: runningmanblog

Ich bin Christoph, 39 Jahre alt (Baujahr 1977),bin über den Fußball früher in der Jugend an den Sport gekommen, habe nach einen Unfall mit Halbseitenlähmung 1998 den Kampf mit mir selbst aufgenommen und in der Reha gesagt:"Wenn ich jemals wieder laufen kann(was man damals noch nicht wußte...),mache ich etwas , was nicht jeder macht:Ich laufe (einen)Marathon. -nunja, das ist jetzt fast 20 Jahre her,wettkampfmäßig liegen 30 Marathons hinter mir, viel Trainingsdistanzen über Marathon, einige Ultras, ein 24 Std. Lauf, unzählige Halbmarathonläufe und Stadtläufe über 10 km,aber eins ist das Schöne am Laufen :Man hat immerwieder Ziele und wird rastlos,kommt nie zur Ruhe.Wie sagte der Welttorhüter Oli Kahn damals ,als er die "last-minute Meisterschaft 2001 in Hamburg gewann?: Du mußt weitermachen-immer weitermachen,denn es geht noch höher,noch weiter". Irgendwann war er Weltcupsieger,Weltmeister und gewann die Champions-League. Ungut,meine Ansprüche sind nicht so hoch, aber der Ehrgeiz ist ähnlich wie bei Oli Kahn,auch die Verbissenheit, aber das wir in den Berichten, die ich nach diesem Eintrag erst beginne zu schreiben,noch deutlich. Beruflich führt mich mein Weg durch den Gartenbau,ein manchmal nerviges Geschäft,nicht umsonst habe ich versucht, dich Zusatzausbildungen (Lauftrainer,Personal-Trainer usw.) ein Standbein in dem Bereich aufzubauen,wobei mir das Erreichen der eigenen Ziele aber erstmal ganz obenan steht. Ihr werdet im Lauf der Berichte, die ich nach und nach aus der Schublade hole, erfahren, was so alles in mir vorgeht, welche Denkweisen , Erfahrungen mich zu welchen Entscheidungen lenkten. Natürlich kommt an der ein oder anderen Stelle auch mal Privates zutage,so dass es im weitesten Sinne eine Lebensgeschichte wird...

One thought on “Der 100km -Lauf in Leipzig (20.08.2016)”

  1. Prima Bericht, Christoph. Und nichts für ungut, ich hoffe, dass ich mit meinen Worten nicht zu offen war. Sei stolz aufs Erreichte!

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